„Präzises Fachwissen, aufbereitet für die Praxis“
Dr. Jan Hermann Koch, Dental-Journalist und -Berater

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Zeit für Standards bei Fachtexten?

Qualität ist in der Zahnmedizin ein großes Thema. Vom Qualitätsmanagement für die Praxis bis zur Qualitätsbewertung zahnärztlicher Therapie erhält es immer neue Facetten. Auch bei der Vermittlung therapeutischer Informationen, zum Beispiel mithilfe von Fallberichten, geht es nicht ohne Qualität. Dentaljournalistische Standards sind aber kaum vorhanden.

Vor einiger Zeit formulierte ein deutscher Hochschullehrer ärztliche Kriterien, die bei jedem Fallbericht zu beachten sind. An erster Stelle steht die Ethik. Eine verantwortungsvolle Therapie ist immer mit den geltenden Grundsätzen vereinbar, zum Beispiel mit Teilen des Genfer Gelöbnisses und dem „primum nihil nocere“ (zuerst einmal nicht schaden) des römischen Arztes Scribonius Largus. Die TherapieEntscheidung beruht auf gründlicher Anamnese und Befunderhebung. Patientenwünsche und Therapiealternativen werden benannt und anhand von Risiko- und PrognoseAbschätzungen, bei Bedarf interdisziplinär, diskutiert.

Prognose und Ergebnis diskutieren

Ein wirklich guter Fallbericht erfüllt grundsätzliche Anforderungen, die auch an hochwertige wissenschaftliche Zeitschriften gestellt werden. Deshalb sollten die Ausgangsbefunde und das Endergebnis ausreichend detailliert dargestellt werden. Das Endergebnis wird anhand der anfangs formulierten Prognose diskutiert. Wurden die Ziele erreicht? Gibt es messbare Parameter, um das Ergebnis und im Idealfall den Erfolg zu bewerten? War der Patient oder die Patientin zufrieden? Decken die Ergebnisse auch längere Zeiträume ab?

Im Zentrum von Fallberichten stehen zahnärztliche, chirurgische und zahntechnische Abläufe. In welcher Weise diese anhand von Fotos und Grafiken mit aussagekräftiger Bildlegende und präzisem Text dargestellt sind, ist mit entscheidend für die Qualität eines Fallberichts. Doch das ist nicht alles. Wer einen guten Fachartikel schreiben will, sollte, soweit vorhanden, die wissenschaftliche Evidenz zum beschriebenen Verfahren kennen.

Wichtig ist auch die produkt- und anwendungsbezogene Literatur, also bereits publizierte Fallberichte, Fortbildungsberichte und Produktunterlagen zum Thema. Fachautoren stützen sich auf eine solide journalistische Ausbildung, ein umfangreiches Archiv und im Idealfall eine wissenschaftliche Datenbank.

Therapierelevante Inhalte

Ein Fallbericht ist nur so viel wert wie seine therapierelevanten Inhalte. Welche Informationen sind für den Leser wirklich wichtig? Und wie werden sie in optimaler Weise vermittelt? In vielen Fällen schreiben Zahnärzte oder Zahntechniker ihren Fallbericht nicht selbst. Dann kommt es auf eine optimale Kommunikation an, die nach den Grundsätzen der Teamarbeit ablaufen sollte. Hier geht nichts ohne die Kompetenz des Schreibenden, in fachlicher, journalistischer und kommunikativer Hinsicht.

Die crossmediale Vernetzung von (Fach-)Infomationen nimmt rasant zu. Schon heute werden Therapiekonzepte im Internet nicht nur in Form von Texten und Einzelbildern (Online-Artikeln), sondern auch von Videos oder Podcasts angeboten. In Zukunft kann dies Informations- und CE-Angebote von Verlagen und Industrie weiter differenzieren, potenziell zum Nutzen der zahnärztlichen Versorgung. Doch das gilt nur, wenn die Qualität der Inhalte nachvollziehbaren fachlichen Standards entspricht.

Literatur

  • Staehle HJ, Hellwig E, Haller B, Löst C. Qualitätssicherung – auch bei Fortbildungsbeiträgen mit klinischen Falldarstellungen. Quintessenz 2003;54(11):1227-1232
  • Kimmel K: Ethik: Neue Perspektiven in Wissenschaft und Standespolitik. In: Heidemann D (Hrsg): Deutscher Zahnärztekalender 2010, S. 109-116, Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2010

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